preview Franz Pöhacker
9. Oktober 2008
Befindlichkeiten
Plastik und Graphik 1960–2008
Franz Pöhacker 1927 in Graz geboren, übersiedelte 1931 nach Hall in Tirol. Von 1941 bis 1946 lernte er unter Hans Pontiller an der Kunstgewerbeschule in Innsbruck. Sein Praktikum absolvierte er bei dem Bildhauer Franz Staud, der als Kustos auf Schloss Ambras das noch geschlossene Depot des Ferdinandeums verwaltete. Von 1950 bis 1957 studierte Pöhacker an der Akademie der bildenden Künste in Wien; zuerst bei Franz Santifaller und ab 1951 bei Fritz Wotruba, der ihm künstlerisch und menschlich zum großen Vorbild wurde. Bald nach dem Studium fand der Künstler zu "seinem" Thema: Der Mensch. 1959 lässt sich er sich als freischaffender Bildhauer in Hall nieder. Von 1972 bis 1992 unterrichtet er darüber hinaus als Kunsterzieher am Gymnasium der Franziskaner in Hall; Seither widmet er sich wiederum verstärkt der Bildhauerei. Daneben ist er als Zeichner tätig.

Franz Pöhackers wichtige Arbeiten im öffentlichen Raum in Tirolt sind u. a. „Die Gebündelten“ für das Kaunertalkraftwerk der TIWAG in Prutz (1963-1966), Bronze-Reliefs für das Vestibül des Tiroler Landestheaters (1967), die „Große Erdfrau“ für die Innsbrucker Universitätsklinik (1971), die „Große Wachsende“ (TGKK, 1977), „Lebenszeichen“ (Frauen- und Kopfklinik, Innsbruck, 1986), Brunnen für die Sparkasse Hall (1991), Altarraum der Marienkapelle der Kapuzinerkirche, Innsbruck (1994), „Die große Kristalline“ (Kongresshaus Innsbruck, 1995).

Für Franz Pöhacker ist zu Beginn seines Schaffens die Kunst seines Lehrers Fritz Wotruba richtungweisend. Auch für ihn gilt es Wotrubas auf den Menschen bezogene und aus der Formzergliederung der Kubisten abgeleitete bildhauerische Sprache zu überwinden und dessen Naturform und Menschenbild im Bereich der Plastik neu zu formulieren und mit neuen Symbolen aufzuladen. Ende der sechziger Jahre findet Pöhacker in der Auseinandersetzung mit der Formensprache Wotrubas zu einer persönlichen Aussage für sein bildhauerisches Gestalten. Er „entdeckt“ die Kugel als vollkommene plastische Form und schafft in der Folge seine Formenstrukturen aus den geometrischen Grundformen des Kegels, der Kugel und des Zylinders, die, in einem dynamischen und spannungsreichen Raumbezug ineinander gefügt, den Bewegungsabläufen des menschlichen Körpers oder dem Rhythmus des Lebens in der Natur nachempfunden sind. Augenscheinlich wird dies in der für die Universitätsklinik 1971 geschaffenen Plastik der „Großen Erdfrau“, die in der Ausstellung neben einer Reihe anderer großen Plastiken der siebziger und achtziger Jahre gezeigt wird. Das Schwergewicht der Ausstellung liegt jedoch auf der Präsentation der mehr „abstrakten“ kleinformatigen Arbeiten aus den letzten zehn Schaffensjahren, in denen der Künstler wiederum verstärkt die Eigenschaften des Figuralen und der kubischen Formenwelt sowie des Kristallinen vor Augen führt. Begleitend dazu finden Zeichnungen und Aquarelle aus den Jahren 2006 bis 2008 Eingang in die Ausstellung.
preview Barbara Doser am
30. Oktober 2008
rococo(r)elation 08

Das Schaffen der in Wien lebenden Tiroler Künstlerin Barbara Doser bewegt sich im Bereich der experimentellen Videokunst, Malerei und Print. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten ist die seit den 1960er Jahren bekannte Technologie des Video Feedback, bei der durch Parallelität und Kreislauf visuelle Ereignisse auf sich selbst abgebildet werden.
Barbara Doser, die sich seit 1994 mit dieser Technik beschäftigt, nützt in ihren Arbeiten die geräteimmanenten „autogenerativen“ Bildgenerierungsprozesse, die sich aus der Verbindung einer Videokamera mit einem Monitor ergeben und sucht diese für den Betrachter sowohl synästhetisch (Bewegtheit und Klang) als auch in Form von Tafelbildern und Prints zugänglich zu machen.
Unter dem Titel rococo[r]elation zeigt Barbara Doser im Studio des Ferdinandeums eine Videoinstallation, in der sie ausschließlich mit der Generierung von Mutationen bereits vorhandener Video Feedback Materialen beschäftigt. Es geht um Formen in Bewegung und Bewegung als Form, die sowohl durch Neuordnungen der Bildabfolge als auch durch Neudefinierungen von Farben/Kontraste zu Mutationen entwickelt werden.

Die 1961 in Innsbruck geborene Künstlerin Barbara Doser lebt und arbeitet in Wien. Seit 1993 ist sie als freischaffende Künstlerin im Bereich Medienkunst und Bildende Kunst tätig. Ihr künstlerischer Schwerpunkt ist das Video Feedback - verarbeitet in experimentellen Videoarbeiten, in Video/Medieninstallationen, im Bereich der Malerei und Fotografie. Die Künstlerin ist auf internationalen Festivals für Film, Video und neue Medien vertreten, ihr Schaffen präsentiert sie in zahlreichen Ausstellungen und Events, Videoarbeiten in über 30 Ländern.
Premierentage 22. November 2008
Das Kunstforum Ferdinandeum zeigt die Videoinstallation
time no time
Von Barbara Doser und Kurt Hofstetter
preview Walter Pichler am
21. Februar 2008

Walter Pichler ist einer der wichtigsten bildenden Künst- ler Österreichs. Vom 22. Februar bis 11. Mai wurde sein Werk erstmals im Ferdinandeum gezeigt. Es ist eine seiner seltenen Ausstellungen, in der sein seit der Mitte der 1960er Jahre entstandenes bildhauerisches und zeichnerisches Schaffen in einer umfassenden Werkschau präsentiert wird. 1936 in Deutschnofen in Südtirol geboren, ist Walter Pichler ab 1940 in Telfs aufgewachsen. Von 1955 bis 1959 absolviert er ein Grafikstudium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1960 hält er sich in Paris auf, wo er Bildhauerei studiert. 1963 lebt er in New York und bereist von dort aus Mexiko. 1966 ist er „Visiting Critic“ an der Rhode Island School of Design in New York. Bereits 1968 ist er auf der documenta 4 in Kassel vertreten, 1982 auf der Biennale in Venedig. 1985 wird ihm der Große Österreichische Staatspreis für bildende Kunst verliehen. 1990 findet im Österreichischen Museum für angewandte Kunst eine umfangreiche Ausstellung seiner Skulpturen statt, 1998 erfolgt eine große Retrospektive im Stedelijk Museum in Amsterdam.

Die ersten plastischen Arbeiten des Künstlers entstehen 1959. In den folgenden Jahren entwickelt er architektonische Werke zu Stadtentwürfen und sakralen Bauten. 1963 stellt er gemeinsam mit Hans Hollein in der Galerie nächst St. Stephan in Wien erstmals seine utopischen Architekturmodelle aus. Ab 1966 entwickelt er die Werkgruppe der Prototypen, die damals wie heute große internationale Resonanz findet. Seit Pichler in St. Martin an der Raab im südlichen Burgenland einen Bauernhof bezieht, ändert sich sein künstlerischer Weg grundlegend. Er beginnt Häuser für seine Skulpturen zu adaptieren oder neue zu erbauen. Als Materialien seiner archaisch anmutenden plastischen Arbeiten verwendet er seit diesem Zeitpunkt fast ausschließlich Holz, Metall, Lehm, Glas und Bronze. Aus diesen Werkstoffen schafft er sein einzigartiges Universum aus Zeichnungen, Modellen, Skulpturen und Häusern.

Den Themen seiner Skulpturen nähert sich der Künstler über die Zeichnung. Sie dient ihm als Projektionsebene seiner Vorstellungen. Zumeist in Bleistift oder Tusche und Tempera ausgeführt, finden sich in ihnen persönliche „Erinnerungen“ ebenso wieder wie konkrete räumliche Situationen und figürliche Entwürfe. Für diese Ausstellung hat Walter Pichler das Thema des „Kopfes“, des „Schädels“ oder der „Behausung“ im weitesten Sinne ausgewählt.

Von den skulpturalen Architekturentwürfen und Prototypen der 1960er Jahre angefangen ergibt sich somit ein thematischer Bogen, der über „Die erste Schädeldecke“ von 1975 bis hin zur Skulptur „Schädeldecke (wie ein Gebäude)“ aus dem Jahre 2007 reicht und die Ausstellung zu einer Retrospektive über das künstlerische Universum von Walter Pichler macht.
Eröffnung der Präsentation
die dehnung des augenblicks …
elde steeg in Innsbruck 1974-1988
Ferdinandeum (Studiogalerie), 19. Juni
2008 wäre die Berliner Künstlerin und Mitbegründerin des Kunstforums Ferdinandeum elde steeg - besser bekannt als spätavantgardistische Fotokünstlerin der 30er Jahre unter ihrem bürgerlichen Namen Elfriede Stegemeyer - 100 Jahre alt geworden.

Elfriede Stegemeyers/ elde steegs Arbeiten befinden sich heute verstreut in öffentlichen und privaten Sammlungen im deutschsprachigen Raum und in den USA. Ihr ca. 1600 Werke umfassendes Gesamtoevre enthält Fotografien, Zeichnungen, Druckgrafiken, Hinterglas- und Tafelbilder, Trickfilme, Collagen, Objekte und einige Installationen. Der Nationalsozialismus, der viele ihrer Freunde zur Flucht zwang und gegen den sie im Untergrund aktiv Widerstand leistete, hatte bereits im Vorfeld ihre Pläne durchkreuzt, ans Bauhaus in Dessau zu gehen und dort ihr Studium weiterzuführen. Er bedeutete letztlich künstlerisch eine völlige Zäsur und den Rückzug in die innere Emigration. Nach dem Verlust des Großteils ihres fotografischen Oevres bei einem Bombenangriff auf Berlin 1943 wandte sich die Fotografin bis zum Ende ihres Lebens anderen künstlerischen Techniken zu, nach dem Krieg benützte sie den Künstlernamen elde steeg.

Künstlerisch bewegt sich elde steeg, die in ihrer Jugendzeit theoretisch und formal vor allem von den „Rheinischen Progressiven“ geprägt und mit Künstlern wie Raoul Ubac, Franz W. Seifert, Heinrich Hoerle, Otto Freundlich, Otto Coenen befreundet war - später mit Raoul Hausmann, mit dem sie zeitweise auch zusammenarbeitete - nach dem Krieg weiter, experimentierte mit écriture automatique, Surrealismus und zunehmend mit konstruktivistischen Verfahrensweisen. Parallel gibt es eine Entwicklung vom Figurativen zur Abstraktion. Eine Übergangsphase auf diesem Weg stellen Arbeiten aus den 50er Jahren dar, in denen sie menschliche Figuren in ihre Umwelt einbettet bzw. mit der Umgebung vernetzt. Dieses Vernetzen begründet sie auch sozialpolitisch: „weg vom ich, hin zur betrachtung und einbettung des individuums in ein größeres ganzes“. Gesellschaftskritisches verlagert sich damit ins Formale, wird dezidiert nur noch in einigen Arbeiten sichtbar wie in manchen Collagen und Installationen. Hier, wo sie auf Verfahrensweisen von Dada und Surrealismus zurückgreift, setzt sie sich mit Themen wie Konsum, Werbung oder Medienberichterstattung auseinander und schafft kritisch-ironische Kommentare zu weiblicher Dar- (und Selbstdar)stellung. Inspiriert wird sie zu neuem „Figurativem“ durch die Beschäftigung mit dem menschlichen Körper, einem wichtigen Topos zeitgenössischer Kunst dieser Periode. Weniger als dessen Verletzbarkeit stehen jedoch andere Aspekte im Vordergrund: die Inszenierung des Körpers, die Zuschreibung von Rollen, das wie des Gesehenwerdens und Gesehenwerdenwollens; schließlich der Aspekt der Bewegung, der Schematisierung und mit der Schematisierung der Entindividualisierung, die bereits bei den „Progressiven“, auf andere Art, grundlegender Gedanke der Darstellung des Menschen gewesen war. Ausschlaggebend für das Interesse an der Vervielfältigung und Abwandlung von Formen sowie an Bewegungsabläufen (so weisen manche Collagen filmische Effekte auf) war dabei auch die intensive Arbeit an einer Reihe von Trickfilmen, die Ende der 50er und in den 60er Jahren entstehen. Allen Arbeiten zugrunde liegt elde steegs Interesse an Strukturen: auf dieses fokussieren zunehmend Zeichnungen und Malerei. Dabei beschäftigt sie in wachsendem Maße der Vergleich künstlerischer Verfahren mit Prozessen in der Natur und der Wissenschaft, deren „logischen systemen“ sie ihre „bio-logischen systeme“ gegenüberstellt. Bis zuletzt gilt ihr Interesse dem Verhältnis zwischen konstruktivistischem Gestalten unter ästhetischen Gesichtspunkten und dem dosierten Einbezug des Zufalls in ihre Arbeit. elde steeg gehört zu einer Generation von Künstlerinnen, deren Arbeit aufgrund der Kriegsereignisse unterbrochen wurde, die aber auch später im Schatten mancher männlicher Kollegen blieben.

Erst gegen Ende ihres Lebens und posthum fanden ihre Arbeiten zunehmend Beachtung, trotz zahlreicher Ausstellungsbeteiligungen zu Lebzeiten. Dies gilt vor allem für ihr fotografisches Frühwerk, das in den letzten Jahren in mehreren großen Ausstellungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten präsentiert wurde, und für einige Collagen, während elde steegs Malerei und Grafik im Zuge sich ändernder Werkbegriffe, dem Vorzug konzeptueller Inhalte und dem Ausloten neuer Medien im Hintergrund blieben. Diese gilt es, neben anderen Aspekten (wie z.B. der auch historisch interessanten Gebrauchsgrafik früherer Jahre) noch zu entdecken. Die hier gezeigte Ausstellung zeigt Beispiele aus dem Spätwerk elde steegs, den Jahren 1974 -1988, die sie mit Ihrem Mann Prof. Walter Schmidt in Innsbruck/Igls verbrachte. Jahre, in denen sie sich als Gründungsmitglied des „Förderkreises für moderne Kunst am Ferdinandeum“ auch verstärkt für Kunstvermittlung in Tirol einsetzte. elde steegs Arbeiten waren in Innsbruck bereits in unterschiedlichen Zusammenhängen zu sehen: so war etwa die „transformation II“ 1984 im Tiroler Kunstpavillon ausgestellt. Einen Abstecher in eine viel frühere Arbeitsphase haben wir dagegen mit dem in dieser Ausstellung gezeigten ersten experimentellen Kurzfilm „Kaleidoskop“ unternommen, für den elde steeg 1956 auf der Kulturfilmbiennale Venedig eine Trophäe erhielt. Dies, um nicht nur ein Beispiel ihrer Auseinandersetzung mit dem Medium Film zu zeigen, sondern vor allem ihren Schritt zur Arbeit an Strukturen zu zeigen, die sie in der Folge parallel beschäftigen werden. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog „die dehnung des augenblicks. Elde (schmidt-)steeg in innsbruck 1974-1988, hg. Julia Rhomberg, 48 Seiten, vierfärbig, Skarabaeus Verlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, EUR 14,90, der im Museumsshop erworben werden kann. Bis 7. September 08
Emil Siemeister: Chuo-ching Blasbalg für ein Orchester

Anläßlich der Premierentage 2007 präsentierte das Kunstforum am 24. November im Foyer des Ferdinandeums eine Performance von Emil Siemeister. Der Künstler (geb. 1954) hat 1968-76 an der Kunstgewerbeschule in Graz und an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien Grafik studiert. Seither tritt er mit Zeichnungen, Videos und Performances an die Öffentlichkeit. Im Frühjahr war eine Ausstellung von ihm im Tiroler Landesmuseum zu sehen. Seine Körperarbeiten sind performative Umsetzungen seiner Zeichnungen.

3. INNSBRUCKER GESPRÄCHE ÜBER ÄSTHETIK 2007
Inkarnation und Abstraktion
19.10. 2007
Die europäische Kunst hat einen paradoxen doppelten Ursprung: das alttestamentliche Bilderverbot und den Anthropomorphismus der Kunst und Religion der griechischrömischen Antike. Für das Christentum war die Fleischwerdung des Absoluten im Menschensohn Jesus Christus der Grund für die Darstellbarkeit des Höchsten, Göttlichen in menschlicher Gestalt. Für die Kritiker der Bilderverehrung war Gott als das Geistige nur in der Abstraktion von jeder Sinnlichkeit zu fassen. In der sinnlichen Welt durften nur Zeichen und Symbole dahin weisen. Die eigentliche Botschaft des Geistes an den Geist sei aber die Schrift, die Gegenwart Gottes sei eher nur in der Eucharistie erfahrbar.

Das Symposium soll das Fortwirken dieses Gegensatzes in der Moderne und in der heutigen Kunstsituation thematisieren.
Ein Anlass ist der 100. Geburtstag von Otto Mauer, der einer der wichtigsten Befürworter der Abstraktion im sakralen Bereich nach 1945 war. Die Kritik von Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) an der
Leere und Armseligkeit heutiger Kircheninterieurs provoziert aber die Frage, ob die Enthumanisierung der Heilsbotschaft im christlichen Symbolismus der Gegenwart nicht eine Anpassung an einen im Grunde häretischen Zeitgeist darstellt.

Die Rückkehr der Gegenständlichkeit und der Menschendarstellung in den Mittelpunkt des Kunstgeschehens ist heute evident. Der oft beliebigen Spiritualität der Abstraktion entspricht auf der anderen Seite ebenso oft jedoch ein beliebiger, meist auf fotografische Evidenzen gestützter oberflächlicher Realismus.
Dass der Gegensatz und die Beziehung von Inkarnation und Abstraktion erneut zum Thema der Kunst geworden sind, lässt sich auch anhand von Beispielen des aktuellen Minimalismus und der Medienkunst darstellen.

Die Referenten und ihre Referate:
Bernhard Böhler (*1972) ist Kunstgeschichtler und leitet das Erzbischöfliche Diözesanmuseum in Wien. Böhler hat sich speziell mit Leben und Werk des Wiener Dompredigers und Begründers der Galerie nächst St. Stephan Otto Mauer auseinandergesetzt, der einer der wichtigsten Befürworter der modernen und abstrakten Kunst im sakralen Raum nach 1945 war.
Peter Lodermeyer (*1962) hat über die nachkubistischen Stillleben Picassos promoviert und lebt als freier Kunsthistoriker und Autor in Bonn. Er spricht über die neue Thematisierung anthropomorpher, auf Emotionalität, Subjektivität und Leiblichkeit bezogener Inhalte in der heutigen minimalistischen Kunst, die die Kritik an der „reinen Formsprache“ des früheren Minimalismus aufgreift ohne zur figurativen Gestaltung zurückzukehren.
Sissa Micheli (*1975) hat an der „Schule für künstlerische Fotografie“ und an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert und lebt in Wien. Ihr Referat wird sich anhand eigener Arbeitsbeispiele (inszenierte Fotografien, Videostills) mit der Arbeit der Erinnerung und der Präsenz des Leibes in der Autobiographie auseinandersetzen.
Leander Kaiser (*1947) hat Malerei und Philosophie studiert und lebt als freischaffender Künstler in Wien. Sein Referat thematisiert das Verschwinden des Bildes des Menschen in der christlichen Kunst und stellt es in den Zusammenhang mit dem Antihumanismus der ästhetischen und politischen Moderne des 20. Jahrhunderts.
Ruth Heidrich-Blaha ist freischaffende Kunstgeschichtlerin und Religionswissenschaftlerin und lebt in Wien. Ihr Referat skizziert die Entwicklung der rabbinischen Diskussion über das Bildverbot der Tora und die vielfältigen Probleme der jüdischen Kunst unter den anderen Voraussetzungen des 19. und 20. Jahrhunderts.
Reinhard Hoeps (*1954) ist Professor für Systematischen Theologie und ihre Didaktik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Er ist Leiter der „Arbeitsstelle für christliche Bildtheorie, theologische Ästhetik und Bilddidaktik“. Er geht in seinem Referat von der alten Frage aus, ob ein Bild tatsächlich Gegenwart Gottes bei den Menschen sein könne - im Vergleich zur Eucharistie. Das in der Kunst der Moderne auf den Wegen der Abstraktion und Konkretion entfaltete Vermögen der Präsenz stellt die Theologie des Bildes vor neue Fragen.
Thomas Feuerstein: Trickster
4. Juli - 2. September 2007
Studiogalerie / Moderne Galerie, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
2006 erhielt Thomas Feuerstein den Art Award Raiffeisen-Landebank Tirol. „Thomas Hobbes. Soziale Emergenz II“ (2003) lautet der Titel eines der beiden Werke, für welche Thomas Feuerstein den RLB-Hauptpreis erhielt. Das kunstforum ferdinandeum beabsichtigt künftig den Hauptpreisträger des Kunstpreises der RLB Tirol im Jahr nach der Preisverleihung eine Ausstellung zu widmen. Mit Thomas Feuerstein startet diese Kooperation.

TRICKSTER Politiker – Dämonen - Parasiten
Die Figur des Tricksters, der die Welt verändert, keine Moral und Gesetze kennt, ist der Protagonist der Ausstellung „Trickster“ im Ferdinandeum. Das Wort „Trickster“ (engl. Gauner, Schelm) bezeichnet eine göttliche oder mit übernatürlichen Eigenschaften ausgestattete Mythen-Gestalt, die sich vor allem durch ihren Listenreichtum, aber auch durch ihre Tölpelhaftigkeit auszeichnet. Der Trickster ist eine ambivalente Figur. Er verkörpert das Prinzip der Vereinigung von Gegensätzen. Er ist weder gut noch böse, er listenreich und zugleich ein Tölpel.

Die Geschichte der Kunst erzählt von zahlreichen Tricks: Kunstwerke verführen und betrügen, verunsichern die Wahrnehmung, stören soziale Ordnungen und moralische Werte, provozieren Unruhe oder verunreinigen Kategorien und Systeme. In der Kunst werden sie hintergangen, bestohlen und verlacht. In der zeitgenössischen Kunst hat nach Lewis Hyde der Künstler die Rolle des Tricksters übernommen, zumindest jener Künstlertyp, dessen Material gesellschaftliche Parameter bilden, die er verformt und überschreitet.

Als diabolischer und widersprüchlicher Anti-Held eines nondualistischen Handelns verkörpert der Trickster gegenwärtige Befindlichkeiten, die ihn für Thomas Feuerstein und seiner künstlerischen Methode der „konzeptuellen Narration“ zu einem geeigneten Protagonisten der Ausstellung machen. Das Trickster-Prinzip, das die Trennung zwischen Dingen und Zeichen, Fakten und Fiktionen aufhebt, liefert den Metatext für die Ausstellung, die sich in die drei „Kapitel“ Politiker, Dämonen, Parasiten gliedert. Der Begriff Politiker ist hier in einem erweiterten Sinne zu verstehen und zielt auf Fragen der Organisation beziehungsweise des Wechselverhältnisses zwischen Individuum und Sozietät. In der Ausstellung werden zu diesem „Kapitel“ neue Arbeiten aus der Serie „Körperlose Organe“ gezeigt, die ausgehend von Atom- und Molekülmodellen eine „soziale Physik“ und „politische Mengenlehre“ als Spiel zwischen Ordnung und Entropie entwerfen.
7,44 x 2,60 : Screen: THOMAS FEUERSTEIN: Trickster, 2007
Für Innsbruck hat Thomas Feuerstein für die vom Museum bespielte Werbetafel vor dem Hautbahnhof ein Motiv angefertigt. Mit dem Projekt „7,44 x 2,60: Screen“ bespielen die Tiroler Landesmuseen seit 2005 einen öffentlichen Platz inmitten der Stadt Innsbruck. Die Werbefläche dient als Schauplatz eines künstlerischen Innehaltens. Es geht um die Positionierung von Kunst an einem Ort des Ankommens und Wegfahrens, einem Ort an dem Geworben und Beworben wird.
Eine Drehscheibe der Kommunikation und Präsentation, ein Fenster zur Stadt.
Biographische Daten: Thomas Feuerstein
1968 in Innsbruck geboren, lebt in Innsbruck und Wien, Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Innsbruck, 1995 Promotion. Von 1992 bis 1994 gemeinsam mit Klaus Strickner Herausgeber der Zeitschrift Medien.Kunst.Passagen., Passagen Verlag Wien. 1992 Gründung des Büros für intermedialen Kommunikationstransfer und des Vereines medien.kunst.tirol. 1992 und 1993 Forschungsaufträge des österreichischen Wissenschaftsministeriums über Kunst im elektronischen Raum und Kunst und Architektur. Seit 1997 Lehraufträge und Seminare an der Universität Innsbruck, Hochschule für Musik und Theater Bern, F + F Zürich, Fachhochschule Intermedia Dornbirn, Universität Mozarteum Salzburg, Hochschule für Angewandte Kunst, Wien. 2006 Kunstpreis der Raiffeisen-Landesbank Tirol. Zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligen im In- und Ausland. Lebt in Innsbruck und Wien.
Weitere Informationen: "http://feuerstein.myzel.net" http://feuerstein.myzel.net

Bilder zur Ausstellung sind unter www.tiroler-landesmuseum.at downloadbar.
preview Ankäufe, Erwerbungen und Geschenke 2001 – 2006

Am 13. März führte Kustos Günther Dankl in einer preview für die Mitglieder des Kunstforums durch eine eindrucksvolle Präsentation im Mezzanin des Hauses. Gezeigt werden dort bis 6. Mai die aktuellen Ankäufe aus den Mitteln der Galerieförderung 2006, wie auch eine Auswahl der Erwerbungen der vergangenen fünf Jahre. Darunter befinden sich Werke von Siegfried Anzinger, Valie Export, Heinz Gappmayr, Oswald Oberhuber, Walter Pichler und Andy Warhol.


Ausstellung Arthur Salner 2005/2007
Am 6. März wurde vor einer riesigen Zahl von Besuchern die Kunstforum-Ausstellung von Arthur Salner eröffnet. Mehrere großformatige Bilder im Foyer des TLMF, sowie eine Auswahl von Konzeptbüchern umfasst diese Schau. Nach der Begrüßung durch Dir. Dr. Wolfgang Meighörner und Kunstforum-Obmann Bernhard Braun führte Günther Moschig in die Werke Salners ein.
Am Palmsonntag, 1. April, wird ein Gespräch zwischen Günther Dankl, Bernhard Braun und dem Künstler stattfinden.

Der Künstler Arthur Salner
Arthur Salner, geb. 1956 und aufgewachsen in Galtür, ist seit dem Abschluss seines Studiums der Grafik an der Akademie der bildenden Künste in Wien als freischaffender Künstler in Innsbruck ansässig. Als solcher entwickelt er seit dem Beginn der 80er Jahre ein konsequentes malerisches Werk, mit dem er über die Grenzen Tirols hinaus bekannt ist. Anlässlich der Lawinenkatastrophe in Galtür (2002) hat der Künstler für seinen Heimatort das eindrucksvolle Triptychon „Memento“ geschaffen.

Das Werk Arthus Salners
Bildeten in den Jahren nach dem Abschluss seines Studiums die noch in Öl ausgeführten Bilder einen äußerst vehement gestalteten Aufenthaltsort für vegetativ Wucherndes und expressiv Figurales, so erfuhr die anfängliche natursymbolisch und rhythmisch aufgeladene Expressivität schon bald eine Beruhigung in Richtung einer Vertiefung in die Bedingungen und Gesetzmäßigkeit des malerischen Geschehens selbst.
Die Arbeiten von Artur Salner erscheinen als Manifestationen sowohl des Reinmalerischen als auch der Wahrnehmung einer äußeren, stofflichen Wirklichkeit. Zumeist zu Diptychen oder Triptychen zusammengefasst, liegt ihnen primär ein rein innerkünstlerisch bedingter, malerischer Prozess zugrunde. Dennoch sind sie zugleich aber auch Ausdruck einer von außen in die Malerei hineingetragenen Sicht einer persönlichen Welterfahrung, in der Erlebtes und Erinnertes ebenso ihren Platz finden, wie eine fast poetisch anmutende Sehnsucht nach einem das Größte ebenso wie das Kleinste umfassenden Universellen, das seine Ausdruckskraft nicht aus der direkten Benennung, sondern vielmehr allein aus der sinnlichen Erfahrbarkeit bezieht.
Buchpräsentation und Künstlergespräch Peter Raneburger

Am 21. Januar präsentierte Peter Raneburger sein neuestes Buch MORS, das anläßlich der vom Kunstforum organisierten Ausstellung erschienen ist. Zu diesem Anlaß gab es ein Künstlergespräch mit Bernhard Braun. In der gut einstündigen Diskussion ging es ebenso um technische Frage als um die
Motivationen des Künstlers und den Weg seines bisherigen ‘uvres. Es entwickelte sich eine lebhafte und spannende Diskussion, zu der Besucher sogar aus der Osttiroler Heimat des Künstlers angereist waren.

preview Schober
Am 30. November führte Helmut Schober exklusiv für die Mitglieder des Kunstforums durch seine Ausstellung "Mozart-Zyklus". Die teilweise riesigen Formate mit ihren kosmologischen Themen, Licht und Harmonie, regten die zahlreichen Besucher zu Fragen und Erörterungen an.

2. Innsbrucker Gespräche über Ästhetik
Am 20. und 21. Oktober fanden die zweiten Innsbrucker Ästhetikgespräche statt. Unter dem Titel Zeitlichkeit und Transzendenz referierten und diskutierten Gerhard Larcher, Leander Kaiser, Werner Telesko, Götz Pochat, Günther Dankl, Peter Weiermair, Michael Ley, Ruth Heidrich-Blaha, Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Bernhard Braun.

Das von Leander Kaiser und Michael Ley kuratierte Symposium, das durch eine kleine von Günther Dankl zusammengestellte Ausstellung zum Thema ergänzt wurde, zog über hundert Teilnehmer an, die in lebhaften Diskussionen zum Gelingen beitrugen.
Die Referate werden in einem Buch erscheinen.

Das Kunstforum dankt den Sponsoren: Stadt Innsbruck, Land Tirol, Bundeskanzleramt, Bundesministerium für Wissenschaft und Kunst, Fa. Mpreis, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum.
preview Ernst Caramelle
alle drucksachen 1974-2006
Am 6. Oktober 2006 fand eine preview zur Ausstellung von Ernst Caramelle statt, die von vielen Mitgliedern wahrgenommen wurde. Katharina Walter, Günther Dankl und der Künstler selbst führten durch die Schau und standen für Fragen zur Verfügung.


Ankäufe Galerieförderung 2005
Am 11. Mai führte Kustos Günther Dankl jene Interessierten, die der Einladung des Kunstforums gefolgt waren, durch die Präsentation der Ankäufe von Arbeiten zeitgenössischer Künstler unter dem Titel der Galerieförderung 2005. Dabei waren Grafiken, Skulpturen und Photographien von Ernst Caramelle, Valie EXPORT, Judith Moser, Annelies Oberdanner, Walter Pichler, Nikolaus Schletterer, Christian Schwarzwald und Simon Wachsmuth zu sehen.
Gunter Schneider – Rohrohr
Am 16. Mai fand ein Gespräch mit Gunter Schneider über seine Klanginstallation ROHROHR im Klangraum des Ferdinandeums statt. Der Künstler erläuterte seine Absichten und die einfache technische Umsetzung der beeindruckenden Klänge aus den Rohren aus verschiedenen Werkstoffen.
Hellmut Bruch und Norbert Pümpel
20. Juni 2006
In Zusammenarbeit zwischen dem Tiroler Landesmuseum und dem Kunstforum Ferdinandeum entstand zu den runden Geburtstagen die grosse Schau Hellmut (70) Bruch, Licht und Proportion, und Norbert Pümpel (50), Scientific Desaster. Zentrale Themen Bruchs sind Licht, Proportion und die offene Form. Neben Edelstahl hat der Künstler in den vergangenen Jahren für Skulptur und Wandobjekte transparentes, farbiges Acrylglas entdeckt. Pümpel zeigt seine grossformatigen Aschenbilder zu den atomaren Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki aus den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren. Daneben gibt es einige neuere bildlichen Reflexionen über die wahrscheinliche Struktur des Atoms zu sehen.
Das Kunstforum veranstaltete wieder eine preview mit einer exklusiven Führung durch die Künstler.


Preview Oswald Oberhuber
am 7. März fand für die Mitglieder des Vereins eine preview zur Ausstellung "Permanenz und Veränderung" von Oswald Oberhuber statt. Der Künstler führte die zahlreichen Teilnehmer kurzweilig und launig mit spannenden Rückblicken auf viele Jahrzehnte des Kunstbetriebs in Tirol und Österreich durch die Ausstellung.

Florin Kompatscher - Zeichnungen
Ausstellung und Buchpräsentation „Die lange Heimat. Zeichnungen 1995 bis 2005“
11. März - 23. April 2006
Di – So 10 – 18 h, Montag geschlossen
Buchpräsentation und Eröffnung am 10. März 2006 um 18 Uhr
1960 in Bozen geboren, studierte Florin Kompatscher Anfang der 80er Jahre in Wien an der Akademie der Angewandten Künste, siedelte nach Köln um und lebt seit 2003 in Berlin. In seinem künstlerischen Werk setzt sich Kompatscher immer wieder mit seiner Heimat Südtirol auseinander. So tauchen in seinen Bildern, Zeichnungen und Skulpturen Zwerge und Gnome auf, Rituale, Mythen und Klischees, die mit der Berglandschaft und seiner Kultur verbunden zu sein scheinen. In surrealen Kombinationen beschreibt er in seinen Arbeiten die Idylle und das Wunderliche in kitschiger und bisweilen derber Art.

Im Dezember 2005 ist im Snoeck Verlag das Buch "Die lange Heimat. Zeichnungen 1995 bis 2005" von Florin Kompatscher erschienen. In Zusammenarbeit mit dem kunstforum ferdinandeum wird am 10. März 2006 im Studio des Ferdinandeums das Buch vorgestellt. Zugleich mit der Buchpräsentation wird auch eine Auswahl von Zeichnungen präsentiert.
Beitrag des Kunstforums zu den Premierentagen 2005
Samstag, 19. November 13.00 Uhr Tiroler Landesmuseum
Aufführung Harald Gsaller
SCHAKOLATTA
Geschichte einer Obsession in Wort und Bild

Konzept
Prolog
Gsaller erzählt drei kurze, einleitende (Bild)Geschichten [attentum parare/Erregen der Aufmerksamkeit].
Teil A: Anton
(Anton Glück, biografische Splitter, die Vorversuche)
-
SprecherIn/SchauspielerIn: Spricht/spielt einführenden (nicht projizierten!) Rahmentext
(die Prosatextteile).
-
Gsaller (vom Laptop via Beamer): Projiziert, getaktet zum Rahmentext Embleme und einige isoliert gesetzte Fotografien.
Sowie Gsaller: Gesprochene Kommentare (Sentenzen, Frageformen) zu ausgewählten Text- und Bildelementen; sowie stimmlich und gestisch betonte Imperativformen und Handlungsvorschläge ans Publikum [attentum parare/Ansprechen und Halten der Aufmerksamkeit].

Teil B: Anton macht in Kakao
(die Kakao-Experimente)
-
SprecherIn/SchauspielerIn: Spricht/spielt (nicht projizierte) Rahmentextblöcke.
-
Gsaller: Zeigt/projiziert dazwischengetaktet Schlüssel-Embleme (kakaofarben gesetzt) und zeigt teilweise synchron mit dem Text Fotografien, die als visuelle Kommentare und Gliederungselemente fungieren. Auch kommentiert der Autor den Text und die Bilder durch einige wenige „Zwischenrufe“ [zum Text und Publikum hin] und visuell durch minime grafische Eingriffe (wie z.B. Dimmen, Lupe, Stempel)

Teil C: Anton ißt Suppe
(Reflexionen Antons, über Kakao; die Voraussetzungen; eine Re-Lektüre von A und B; Schlaraffenland als Folie; die Therapie(?); das Umfeld; Ausblick)
-
SprecherIn/Schausp.: Hat vorwärtstreibende und abschließende Rahmentexte.
-
Gsaller: Das Zeigen dominiert: viele Fotos, die als Trigger/Steuerelemente, als Separatoren und die Erzählung illustrierende/vorantreibende Elemente fungieren; und klärende Embleme. Viele gesprochene Kommentare [Orientierung zum Publikum hin].
Dauer der Aufführung: etwa eine Stunde
Dienstag, 11. Oktober 2005
18.00 Uhr
Heinz Gappmayr zum 80. Gebrutstag
Texte im Raum 1966– 2004
Anläßlich des 80. Geburtstags von Heinz Gappmayr lud das Kunstforum Ferdinandeum zu einer kleinen Feier und einer Präsentation von 5 Wandtexten, die zwischen 1966 und 2004 entstanden sind, in das Museum. Vor mehr als sechzig Teilnehmern erläuterte Günther Dankl in einer sehr persönlichen Ansprache grob den Lebenslauf Gappmayrs anhand der präsentierten Arbeiten.

Der Künstler ist einer der international bedeutendsten und anerkanntesten Vertreter der ”konkreten Poesie”. Sein künstlerisches Werk ist an der Nahtstelle zwischen Literatur und bildender Kunst angesiedelt. Der Beginn seines bildnerischen Œuvres, das bis heute in einem dreibändigen Werkverzeichnis dokumentiert ist, geht in das Jahr 1961 zurück. Seit dieser Zeit werden seine visuellen Texte in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in mehr als 26 Ländern Europas, Südamerikas und den USA gezeigt. Zahlreiche Vorträge über die theoretischen Grundlagen der visuellen und konkreten Poesie sind in einer großen Anzahl von Publikationen veröffentlicht.
Gappmayr nimmt von Beginn an an der sich international formierenden Bewegung der konkreten Poesie teil, zu deren Mitgliedern er in Kontakt steht. Rückhalt sucht er anfangs in erster Linie bei den Vertretern der ”konkreten Kunst”, bei der Gruppe um das im nahen München beheimatete Studio UND, bei jener um Antonio Calderara oder beim Kreis um das "Studio di Informazione Estetica" in Turin. Intensivere Beziehungen als zur österreichischen Kunst und Literaturszene ergaben sich auch in die Schweiz, wo er vor allem mit Eugen Gomringer bereits seit 1959 in Kontakt ist. 1988 wurde ihm der Professorentitel verliehen; 1995 erhielt er den Großen Kunstpreis des Landes Tirol.
Das ”Vokabular” von Gappmayrs künstlerischer Arbeit setzt sich aus Buchstaben, Begriffen und Zahlen sowie einfachsten grafischen Zeichen, wie Linien, Punkten oder Pfeilen zusammen. Ihn interessieren in erster Linie die Kategorien Ort, Zeit und Raum sowie die äußerste Reduktion auf die Pole der Farbigkeit, Schwarz und Weiß, Zahl und Maß. Darüber hinaus verwendet er immer wieder Begriffe, die unseren Gesichtssinn ansprechen und in uns visuelle Vorstellungen evozieren. Diese Reduktion auf die elementaren Dinge des Seins richtet große Anforderung an den Betrachter. Sie fordert dazu auf, sich über die Beziehungen zwischen der optischen Erscheinung und dem, was durch diese Erscheinung bezeichnet wird, Klarheit zu verschaffen.

Ergänzend zu Ausstellung wird während der Öffnungszeiten ein vom ”museum im progress” und dem Kunsthaus Bregenz 1997 in Auftrag gegebenes Videoporträt (VHS, dt., 45 min) gezeigt.
Preview zur Ausstellung Figur und Wirklichkeit
am 5. Oktober 2005
Durch die in Kooperation vom BA-CA Kunstforum Wien mit der Stadt Innsbruck und dem Tiroler Landesmuseum entstandene Ausstellung, die 30 Positionen figurativer Malerei von den Siebzigerjahren bis zur Gegenwart vorstellt, führte der Kurator Mag. Florian Steininger.



Am 13. Juni 2005 fand anlässlich eines Gedenkens des zum 20jährigen Bestehen des Förderkreises für zeitgenössische Kunst am Ferdinandeum ein Vortrag mit Diskussion von Peter Weiermair zum Thema:
20 Jahre Ausstellungs- und Museumspolitik in Tirol,
Reflexionen über eine besondere aber auch allgemeine Situation, statt.
Zunächst gab Frau Bettina Reichert-Facilides vor über 50 Anwesenden einen Überblick über die nunmehr 22jährige Geschichte des Kunstforums, das sie als Mitbegründerin unter dem Namen "Förderkreis am Ferdinandeum" von Anfang an begleitet hat.

Anschließend erläuterte Weiermair seine Gedanken zu einer Museumspolitik in Tirol, wo er das klassische Museum mit seiner wissenschaftlichen Arbeit als unabdingbar für einen Kulturraum außer Frage stellte.
Zum Abschluss fand ein preview zur grossen Sommerausstellung des Museums :
Henri de Toulouse-Lautrec, Noblesse des Gewöhnlichen, statt.


Maurizio Bonato / Spuren aufnehmen
Matthias Pflug / Prieur
Eine Präsentation des kunstforums ferdinandeum im Studio des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum
27. April - 19. Juni 2005
Eröffnung: 26. April 2005, 18 h, zur Ausstellung spricht Dr. Elmar Zorn, München

konzept
im mai 2003 haben wir, maurizio bonato und matthias pflug, eine gemeinsame studienfahrt in die hochprovence unternommen
dabei arbeiteten wir an zwei projekten mit verschiedenen künstlerischen ausgangspunkten, zielen und arbeitsmethoden. gemeinsam war die suche nach orten bzw. räumen, die für die jeweiligen untersuchungen geeignet waren. wir suchten eine reihe von bauten auf und mit den mitteln der je-weiligen künstlerischen arbeitsweisen untersucht. dabei gingen wir auch alten pilgerwege der provence entlang
projekt, maurizio bonato
in meiner arbeit geht es mir um die beschäftigung mit spuren und zeichen in bauten und bildern, die menschen in der vergangenheit hinterlassen haben, aber auch um das unfassbare, was menschen heute in ihrer unmittelbaren umgebung dort, wo sie leben oder arbeiten, umgibt, dort wo sich ideen, überzeugungen und ideale mit konkretem tun treffen, sich leise manifestieren, raum in anspruch nehmen und beinahe körper annehmen.
es sind oft nur unscheinbare details, die mir einen hinweis geben. in diesen details scheint sich etwas zu verdichten, das sich auf dem halben weg zwischen idee und form sowie zwischen überzeugung und materie befindet.
mein anliegen ist es, dieses etwas aufzuspüren und regelrecht nachzuzeichnen.
die arbeiten dieser ausstellung im studio des landesmuseum ferdinandeum befassen sich speziell mit der untersuchung des romanischen raumes von saint-donat in montfort (13. jh.).
nach eingehenden recherchen in der literatur über die romanischen bauten der hochprovence hatte ich mich mit grundriss, aufriss und raumproportionen befasst, um schließlich ein arbeitsmodell zu bauen, das an ort und stelle wiederaufgebaut wurde und als parameter für die bestandsaufnahme diente.
es entstand eine reihe von skizzen und videos, die sich mit den räumlichen beschaffenheiten befassten, aber auch aktionen, in denen ich den verschiedenen spuren im raum nachzugehen versuchte.
die besonderheiten in diesem raum zeigten sich mir bei der detaillierten ausarbeitung des material: zunächst rekonstruierte ich die wege, die ich beim filmen im raum gegangen bin, dann schaffte ich mir einen überblick über die große auswahl an einzelbildern der videos und schließlich wählte die für mich wichtigsten details aus.
die ausgewählten videostandbilder wurden in verschiedenen phasen der überarbeitung und zuletzt mit graphischen mitteln auf folarex übertragen.
speziell habe ich mich mit dem raum im bereich des halbkreises der apsis befasst.
hier sind form und idee fast miteinander verschmolzen: es handelt sich um ein kraftplatz, der bewusst eingesetzt wurde.
aus den dazugehörigen videostills sind bilder entstanden. dazu ist auch ein neues video zusammen mit bettina fritz entstanden, in dem wir in einer aktion der besonderheit dieses raumes nachspürten. mit sich wiederholenden bewegungsabläufen haben wir den halbkreisförmigen raum nachgezeichnet, und damit auch die idee aufgenommen, die ihn entstehen hat lassen.
untersuchung des romanischen raumes von saint-donat in montfort ( 13. jh. )
objekt aus transparentpapier als projektionsfläche (in innsbruck nach der proportionen des raumes gebaut und an ort und stelle für die aktion wieder aufgebaut)

video, aufnahme des begehens des raumes
video, aufnahme des raumes durch das objekt

videostandbilder
graphische ausarbeitung der standbilder auf folarex

projekt, matthias pflug
prieur
april 2005
ich beschäftige mich mit materie und struktur sowohl in abstrakter als auch in konkreter weise. deren erscheinungsformen, verwandlungen und veränderungen, und durch mazzeration entstandene strukturen die charakter von schriftzeichen und symbolen zeigen. meine künstlerische tätigkeit und arbeitsweise beschreibe ich wie folgt:
feldforschung an räumen und orten, sichtbar machen von verwandlungsprozessen, skizzieren (fotografie, frottage, video und videoperformance, akkustische wahr-nehmung) und durch die arbeitstechnik fùmage, diaprojektionsfotografie und video-installation ausgestalten der eindrücke, ideen und konzepte.
für die fùmage (berussen und fixieren von russ zwischen glas) dienen analogfotografien von feldforschungen als ausgangsmaterial. durch farb-, kontrast-, und helligkeits-verzerrungen, durch bewusste fehlbelichtungen, zeigen sich für mich intererssante details die mit tusche und/oder grafit herausgearbeitet werden und als übertrags-unterlage für das arbeiten am glas dienen.
das aufbringen des russes auf das glas und die versiegelung ist eine arbeitsweise die viel kraft und konzentration bedarf, sehr schnell vor sich geht und eine starke gestalterische komponente in sich trägt, da dabei russverdichtung und russauftrag bestimmt werden. es ist der entscheidende moment indem ich unmittelbar erkenne ob das werk mit dem konzept und den gedanken der umsetzung übereinstimmen – ob es „stimmig“ ist.
die romanische brücke über die laye (12. jh.) in man, ist eines der hauptobjekte unserer studienfahrt, auf dem meine arbeit „ponte romain“ basiert.
der romanische raum von la madeleine (11. jh.) in bèdoin diente als aufzeichnugsort für analogfotografien. ich nahm mit meinem körper bezug auf den raum und seine schwingungen. die dabei entstandenen diapositive der raumpositionen projezierte ich in einem weiteren arbeitszyklus auf den altar des romanischen kirchenraumes von saint-trinit (11. jh.).
ich fotografierte diese projektion bei unterschiedlichen raumhelligkeiten erneut. dabei entstanden eine reihe von 3er serien an fotografien (siehe „intouch with st. trinit III“)
im übergeordneten kontext stehen für mich die physischen und die geistigen bewe-gungen in, um und an, in diesem fall romanischen räumen und orten der begegnung, die sich an veränderungen der dort befindlichen materie und deren spuren zeigen.
untersuchung
des romanischen raumes von la madeleine (11. jh.) in bédoin
des romanischen kirchenraumes saint-trinit (11. jh.) in st trinit,
der romanische brücke über die laye (12. jh.) in man


schwingungen zwischen alten und neuen brüstungssteinen einer alten funktionstüchtigen steinbrücke und deren sich daraus ergebenden symbolischen assoziationen
objekte in der technik „fùmage“

mit dem körper auf eines der aufgesuchten sakralen gebäuden bezugsnehmend, abgelichtet und auf den altar eines weiteren gebäudes projiziert, abgelichtet und geplotet
kaschierte fotoplots von fotografierten diaprojektionen

körper – raumstudien

grafiken
gemeinschaftsarbeit, maurizio bonato, matthias pflug
videoinstallation „lavande“
begegnung auf dem steinigen weg zwischen den lavendelbeeten - kargheit der erde und die üppigkeit ihres gedeihs
5.3. 2005: Podiumsgespräch
Günther Dankl, Elisabeth Larcher, Peter Weiermair. Über Max Weiler anläßlich der Ausstellung „Aus eigenen Beständen. 35 Werke von Max Weiler“
1.3. 2005: preview zu Peter Prandstetter, Hinterglasbilder
N. Pümpel
Wahrscheinliche Aussage zu einem Guernica des späten
20. Jahrhunderts, 1982
Eine Präsentation des kunstforums ferdinandeum im Foyer des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, 28. Jänner – 20. Februar 2005
Eröffnung: 28. Jänner 2005, 18 Uhr
Vom 28. Jänner bis 20. Februar 2005 zeigte der Tiroler Künstler Norbert Pümpel im Auditorium den 24-teiligen Zyklus „Wahrscheinliche Aussage zu einem Guernica des späten 20. Jahrhunderts“. Das Werk wurde erstmals in Österreich gezeigt. Die Arbeit ist eine Reflexion über die atomare Struktur der Welt, über die maximale Entropie, und damit über einen wahrscheinlichen Endzustand des Universums. Zugleich liefert sie aber auch die Vision des Zustandes nach einer möglichen atomaren Zerstörung. Bereits 1982 entstanden, hat die Arbeit nach wie vor nichts von ihrer Aktualität und Radikalität eingebüßt.

Harald Kimpel schrieb 1990 über die Arbeit:
„So total hatte der Künstler mit seiner radikalen Aussage über die möglichen Folgen von Praxis gewordener Theorie das Sichtbare beseitigt, so grundlegend bei der Gestaltung der Gestaltlosigkeit jede Form vernichtet, dass nach Abbildung des unwiderruflichen Chaoszustands nichts Abbildbares mehr übriggeblieben war.“
Aus Anlass dieser Präsentation wurden in Zusammenarbeit mit der Initiative Kunst im Gang aktuelle Werke des Künstlers in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck präsentiert.


Zum Abschluss der Präsentation stellten am 20. Februar Günther Dankl und Bernhard Braun Fragen an Norbert Pümpel.
Pümpel Norbert
Geb. 1956 in Innsbruck, lebt in Landeck.
Er begann am Ende der 70er Jahre im Bereich der Concept Art. Bereits während dieser Zeit Arbeit an den ersten theoretischen Schriften u.a.: Theorie und Probleme einer konzeptuell realistischen Kunst. Zunächst konzeptuelle Zeichnungen über mathematische Serien und Reihen, spätere Projekte sind beeinflusst von der zeitgenössischen Physik und Erkenntnistheorie; immer wieder entstehen friedenspolitische Arbeiten: 1882 Wahrscheinlichkeitsaussage zu einem Guernica des späten 20. Jahrhunderts. 1989-90 über die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki.
1981 Teilnahme an der Sky Art Conference am Massachusetts Institute of Technology an der Cambridge University, Boston Massachusetts; seit 1982 als freischaffender Künstler tätig; 1991 Lehrauftrag für plastisches Gestalten an der Universität Innsbruck; 1994/95 Lehrauftrag: Der Raum in der Gegenwartskunst an der Universität Innsbruck.
Seit 1978 Ausstellungen im In- und Ausland.:
1979 Beteiligung an der von Hans-Jürgen Müller, Ursula Schurr und Max Hetzler zusammengestellten Ausstellung „Europa 79“ zusammen mit Tony Cragg, Sandro Chia, Francesco Clemente u.a., 1984 bei „Orwell und die Gegenwart“ im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien, zusammen mit Jochen Gerz, Jörg Immendorff, Robert Morris, Roy Lichtenstein u.a.;1985 erste Museums- Einzelausstellung in den Staatlichen und Städtischen Kunstsammlungen, Schloß Bellevue, Kassel; 1993 Beteiligung an der Ausstellung „Die Vertikale Gefahr. Der Luftkrieg in der Kunst“ in der documenta Halle Kassel, zusammen mit Günther Ücker, Gerhard Richter, Arnulf Rainer u.a.; 1997 „entgegen – religion.gedächtnis.körper“ in Graz mit Anish Kapoor, Roman Opalka, Joseph Beuys u.a.; 1992, 1999 und 2002 Personalausstellungen im Concept Space, Shibukawa, Japan; 2003 Beteiligung an der Internationalen Biennale in Sharjah in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Reinhard Artberg – Visuelle Poesie
Eine Präsentation des kunstforums ferdinandeum im Foyer des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, 11. – 23. Jänner 2005
Eröffnung: 11. Jänner 2005, 18 Uhr

Neben der Malerei und Grafik beschäftigt sich der in Frankreich und Italien lebende Tiroler Künstler Reinhard Artberg immer wieder mit dreidimensionalen Objekten. Dabei geht es ihm in erster Linie weniger um eine bildhauerische Tätigkeit, sondern um das Erarbeiten von „Prototypen“, mit denen der Künstler den Betrachter sowohl in visueller Hinsicht als auch auf gefühlsmäßiger Ebene „überraschen“ möchte.

An dem im Ferdinandeum präsentierten Projekt „Visuelle Poesie“ arbeitete der Künstler bereits seit fünf Jahren. Frei im Foyer sich bewegende transparente Objekte veränderten mittels elektronischer Steuerung permanent ihre Form. Das Material dieser Formen, eine dünne Folien, hat Artberg mehr zufällig entdeckt. Durch ihre Transparenz wirken die Objekte leicht und unscheinbar. Zugleich vermitteln sie aber auch eine gewisse Stabilität und Festigkeit, die durch die auf ein Zentrum sich beziehende geometrische Form unterstrichen wird.

Artberg gelingt es in den Objekten somit, stetige Veränderung und statisch perfekte Formgebung in eine ästhetische Einheit überzuführen. Diese Aufhebung von Gegensätzen ist es auch, das das „Poetische“ der Objekte ausmacht. Dem Betrachter werden „vielfältige Assoziationen suggeriert, mit der Absicht ihn aus seinen gewohnten Gedanken- und Empfindungsschema zu holen“ (R. Artberg).

Artbergs Objekte wurden von der Kulturredaktion des Österreichischen Fernsehens als das „Kunstwerk des Monats Jänner 2005“ ausgewählt.
Reinhard Artberg
Geb. 1955 in Brandenberg/Tirol; 1977-1981 Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien; 1979 Meisterschulpreis; ändert 1991 seine Namen von Arzberger auf Artberg.
Diverse Einzelausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Arbeitsprojekte in Deutschland, England, Italien, Neuseeland und Österreich. Lebt in Italien und Frankreich.
ONSCREEN : OFFSCREEN eine INTER : AKTION von Christian Streng
17. Juni 2004, 20 Uhr, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
präsentiert vom kunstforum ferdinandeum
In einer Gesellschaft, in der mediale Repräsentation zur Voraussetzung sozialer Existenz geworden ist, sichern uns Abbilder den Zugang zur Welt, sie produzieren Anwesenheiten, Fassbarkeit. Abbilden bedeutet demnach Sichtbarmachen, den Zugang zu gesellschaftlicher Integrität im Sinne kollektiver Teilhabe zu garantieren.
Bilder schaffen jedoch auch Distanz. In ihrer Funktion die Welt vorstellbar zu machen, verstellen sie uns den Blick, stellen sich zwischen uns und die Wirklichkeit, indem sie sie verdecken, um sie neu zu erfinden.
In diesem Spannungsfeld verortete Christian Streng die BesucherInnen seiner Inter : Aktion ONSCREEN : OFFSCREEN, in der er sie zur Teilnahme auffordert.
Zehn Kameras mit 2000 Polaroids luden die MitakteurInnen ein, den real anwesenden Künstler durch seine mediale Abbildung zu ersetzen. In einem –stundenlangen – Akt der Aneignung und Festschreibung bedeckten Abbilder von Abbildern von Abbildern... kontinuierlich die reale Person, die letztendlich nur eine produzierte Anhäufung von Bildern zurückließ.




Eine Einführung erfolgte durch Thomas Feuerstein.
Expansion und Position. Strategien in bildender Kunst und Architektur der 60er Jahre und heute
Round-Table-Gespräche präsentiert vom : kunstforum ferdinandeum in Zusammenarbeit mit dem Architekturforum Tirol
Samstag, 20. November 2004, 13.00-16.30 Uhr
Ort: Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Auditorium

Der internationalen Entwicklung folgend zeichnet sich auch die österreichische Kunst und Architektur der 60er und 70er Jahre sowohl durch eine radikale Infragestellung und Erweiterung der traditionellen Gattungen und Disziplinen als auch des jeweils eigenen Selbstverständnisses aus. Anlässlich der Ausstellung „ex.Position. Avantgarde Tirol 1960/75“ im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum befassten sich zwei am 20. November 2004 öffentlich stattfindende Round-Table-Gespräche mit den historischen und zeitgenössischen Strategien in bildender Kunst und Architektur in Österreich. Im Vordergrund dabei standen weniger die künstlerischen Positionen, sondern in erster Linie die Rahmenbedingungen für die bildenden Kunst und Architektur (Galeriewesen, Kunstmarkt, Möglichkeiten für Ausstellungen, öffentliche Aufträge, Veröffentlichungen usw.)
Round-Table 1 - Bildende Kunst
Round-Table 2 -Architektur
-
Max Peintner, Wien
-
Hanno Schlögl, Innsbruck
-
Wolfgang Pöschl, Innsbruck
-
riccione architekten, Innsbruck
-
Moderation: Arno Ritter, Architekturforum Tirol
Judith Moser :: Atelier
eine Veranstaltung des kunstforums ferdinandeum in Kooperation mit der Grünen Bildungswerkstatt
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum – Auditorium, 20. April – 9. Mai 2004
Im Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum wurde das Atelier der Künstlerin Judith Moser rekonstruiert. Grundrissgetreu gab es eine Besiedelung des Auditoriums mit ihren Kunstwerken.
Es war keine Präsentation von Exponaten, sondern eine Intimsphäre des Machens reflektierte sich an einem öffentlichen Ort, dem die museale Bedeutung von Kunst eingeschrieben ist. Insofern öffnete sich ein Spannungsfeld zwischen einem kunsthistorischen Gedächtnis und einem kunstmachenden Vergessen.
An drei Abenden fanden von der Künstlerin initiierte Gesprächsrunden statt. Die dabei erörterten Fragestellungen konzentrierten sich auf eine Neuinterpretation von Kunst :: Politik :: Poesie :: Medienkunst. Gesprächsteilnehmer waren u. a. Thomas Feuerstein, Kurt Grünewald, Michael Kienzer, Birge Krondorfer, Christine S. Prantauer, Andreas Schett, Uschi Schwarzl, Elisabeth Thoman und Rens Veltman.
Am Sonntag, 9. Mai 2004, fand zudem im Rahmen der Katalogpräsentation der Künstlerin ein Künstlergespräch mit Judith Moser statt.
Am Fr. 22.10 und Sa. 23.10. veranstalteten das Ludwig Boltzmann Institut für Politik, Religion und Anthropologie an der Universität Innsbruck und das Kunstforum Ferdinandeum das Symposium
„Die Kunst der Religion – die Religion der Kunst“
Die zeitgenössische Kunst und Kunstkritik muss sich nach dem Ende der Moderne mit ihrem religiösen Erbe als Verkünderin christlicher Heilserwartung , humanistischer Ökumene und totalitärer Erlösung auseinandersetzen, um dadurch ein klares Bewusstsein der eigenen Zeitgenossenschaft zu erlangen.
Das Symposium befasst sich einerseits mit dem wesentlichen Anteil des Religiösen – nämlich des Christentums – an der Konstituierung des Bildes als autonomes Kunstwerk. Es wirft die Frage auf, wieweit dieser religiöse Impuls in der abstrakten Malerei und ihren Folgen weitergewirkt hat, oder ob in der Spiritualität der Abstraktion nebst pietistischen nicht gnostische Züge die Oberhand gewonnen haben. Andererseits stellt es die Frage nach den religiösen und quasi-religiösen Ansprüchen, die von Künstlern und ihren Interpreten erhoben worden sind, die sich gegenüber dem Christentum als neue religiöse Heilsversprechungen darstellen.
Freitag: 22. Oktober 2004, 15 - 19 Uhr
I. Das Christentum und die Bedeutung des Bildes
Leander Kaiser: Moses und Perseus: Bildlist und Bildverbot
Wolfram Morath-Vogel: Das Wort ist Geist geworden. Max Weiler und Meister Eckhart

Christian Demand, Brigitte Borchardt-Birbaumer und Michael Ley im Gespräch
Festvortrag, 19.30 Uhr
Bazon Brock: Propheten der Apokalypse – Vordenker des Unheils, Profiteure des Untergangs

Michael Ley im Gespräch mit Bazon Brock
Samstag: 23.Oktober 2004, 10 - 14 Uhr
II. Kunst – Religion – politisch-ästhetischer Messianismus
Michael Ley: Terror und Transzendenz – Kunst als Negation der „gefallenen Welt“
Brigitte Borchardt-Birbaumer: Der Künstler als Religionsanbieter
Christian Demand: Messianische Zeit – der Kult des Neuen und der Bruch mit dem Alten als Religion der Moderne
Zur Ausstellung „In freier Natur – Von Cézanne bis Picasso“ gab es eine preview vor der Eröffnung und gegen Ende der Ausstellung am 11. September einen Vortrag mit Diskussion von Harald Szeemann mit dem Titel „ Monte Veritá“,
Am 14. Oktober und am 2. Dezember wurden previews zu den Ausstellungen von Norbert Drexel und Ilse Abka-Prandstetter durchgeführt.
Am 30. Oktober führte Bernhard Leitner durch seine Klanginstallation „Spiegel-Galerie“ und stellte sich einer angeregten Diskussion
Anlässlich der Premierentage 2003 zeigte das kunstforum
ferdinandeum in den Ausstellungsräumen des Tiroler Landesmuseums
Ferdinandeum die Arbeit BEFORE AN AFTER THE LAST JUDGMENT
(2002/03) von HANS WEIGAND.
Ausgehend von den phantasmagorischen Visionen, die
Hieronymus Bosch in seinem „Weltgerichts-Tritpychon“ in der Gemäldegalerie
der Akademie am Schillerplatz darstellt, bereitet Hans Weigand in dieser
Arbeit seine eigenen, höchst aktuellen Metaphern zur Situation der
Menschheit auf.

In einer an psychedelische Fieberträume erinnernden
Bildsprache setzt der Künstler einerseits in einem großformatigen Gemälde (Injektprint/Acryl)
die hermetischen Sinnbilder des Hieronymus Bosch in seine modernen Metaphern
um, in die er zeitgenössische Comics und Fotos integriert.
Auf einem Plasma-Screen führte Hans Weigand als
Künstler an der Schwelle zum digitalen Zeitalter zudem den Betrachter in ein
– gemeinsam mit Alexandra Seibel und Christian Höller gestaltetes –
interaktiv begehbares Bild voller überraschender Effekte. Per Mausklick
gelangte in Filmausschnitte, die den Schreckensbildern des mittelalterlichen
Künstlers nicht nachstanden.
“Before and after the last judgement” entstand in einer
Gemeinschaftsproduktion der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste
in Wien und dem Austrian Cultural Forum New York, wo Weigands Arbeit im
Rahmen der von Hubert Klocker kuratierten Ausstellung SERIOUS PLAY /
METAPHORICAL GESTURES vom 16. Jänner bis 22. März 2003 gezeigt wurde.
Zur Wiedereröffnung des Ferdinandeums trug das Kunstforum bei mit einem
Grazienkongreß von Lili Fischer
Viele Grazien bzw. Freunde des Grazilen sind gekommen, um sich auf das
sinnlich.-intelligente Spiel von Lili Fischer einzulassen. Und nach einem
etwas müden Beginn entfaltete sich die Darbietung der aus dem hohen Norden
kommenden Liebhaberin der Romantik zu einem wahren Vergnügen für alle Sinne.

Voll Augenzwinkern nimmt Lili Fischer in ihrer Performance weibliche
Prägungen und Verhaltensmuster auf die Schaufel "Grazienersatzsachen" wie
ein Strumpfgürtel, eine Perücke oder ein seidenes Negligé ließ sie tanzen,
typische Attribute für Grazien, wie den ehrfürchtig gesenkten Blick oder die
schlanke Taille vorführen.

Besonders neugierig war das Publikum allerdings auf den Nachlass einer
echten Grazie, verpackt in einem wunderschönen Damenkoffer. In Andrea
Kühbacher und Ulla Fürlinger fand Lili Fischer zwei höchst begabte
Grazienschwester und mit Museumskustos Günther Dankl einen engagierten
Grazienbändiger. Dass es gar nicht so einfach ist, eine Grazie zu werden,
führte schließlich ein Entfaltungskurs für Nichtgazien vor. Mit einem
Kratzbaum bedankte sich Lili Fischer für die Gastfreundschaft beim Museum -
zum Abkratzen für die Aggressionen für die Einen, zum sich solche Ankratzen
für die Anderen.
Edith Schlocker, "Tiroler Tageszeitung" vom 16.05.2003
 |